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24.03.2009
Im Iran und China werden die meisten Menschen hingerichtet

Im vergangenen Jahr wurden weltweit fast doppelt so viele Menschen
hingerichtet wie 2007. Nach dem Land der Olympischen Spiele, China,
sind im Iran die meisten Menschen durch staatliche Anordnung getötet
worden.
Sie werden meist an öffentlichen Plätzen hingerichtet und ihre
Exekution als Spektakel inszeniert. Ihre Vergehen: Raub,
Alkoholkonsum oder Ehebruch. Im Iran wurden im Jahr 2008 mindestens
346 Menschen hingerichtet, wie die Menschenrechtsorganisation
Amnesty International (ai) in ihrem am Dienstag (24.03.2009)
veröffentlichten Jahresbericht "Todesstrafe" erklärte.
Die Dunkelziffer sei aber vermutlich um ein vielfaches höher, hieß
es dort ebenfalls. Bei der Verhängung der Todesstrafe liegt der Iran
im internationalen Vergleich damit auf dem zweiten Platz. Nur in
China wurden im vergangenen Jahr mehr Menschen auf Anordnung des
Staates getötet.
Insgesamt wurden dem Bericht zufolge im vergangenen Jahr mindestens
2.390 Menschen in 25 Ländern hingerichtet und mindestens 8.864
weitere in 52 Ländern zum Tode verurteilt. Die Volksrepublik China
ist dabei mit 1.718 Fällen für mehr als 70 Prozent aller
vollstreckten Todesstrafen verantwortlich, teilte Amnesty
International mit. Die Hoffnung, dass die Vergabe der Olympischen
Sommerspiele 2008 an Peking etwas an der Zahl der Hinrichtungen im
Land ändern könnte, erfüllte sich damit nicht. Im Gegenteil: Dem
Amnesty-Bericht zufolge verdreifachte sich die Zahl der bekannt
gewordenen Hinrichtungen im Olympiajahr sogar.
"Kein Platz für Enthauptung und Giftspritze im 21. Jahrhundert"
"Die Todesstrafe ist eine grausame, erniedrigende und in höchstem
Maße unmenschliche Strafe. Enthaupten, Erhängen, Erschießen,
Steinigen, der elektrische Stuhl und die Giftspritze haben im 21.
Jahrhundert keinen Platz", sagt Oliver Hendrich,
Anti-Todesstrafen-Experte bei Amnesty International in Deutschland.
Viele Todeskandidaten müssten unter menschenunwürdigen Bedingungen
vor ihrer Hinrichtung in den Gefängnissen ausharren oder würden erst
kurz vor der Vollstreckung von ihrer bevorstehenden Tötung erfahren.
Hinrichtungen weltweit auf dem Rückzug
Amnesty International fordert nachdrücklich die Abschaffung der
Todesstrafe, betont aber auch, dass Hinrichtungen weltweit auf dem
Rückzug seien. So hätten im vergangenen Jahr mit Argentinien und
Usbekistan zwei weitere Staaten die Todesstrafe abgeschafft. In der
vergangenen Woche hatte sich zudem der US-Bundesstaat New Mexico
dazu entschlossen. Derzeit gibt es die Todesstrafen, nach Zählung
von Amnesty International, noch in 59 Ländern. In der Europäischen
Union werde die Todesstrafe lediglich in Weißrussland praktiziert.
"Doch jede Hinrichtung ist eine zuviel", so ai-Experte Hendrich. (ina/stg/afp/dpa/epd)
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