Chef der
Internationalen Atomenergiebehörde kritisiert Irans Atomprogramm
FOCUS
Online - Germany
Mohammed El
Baradei, Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA), hat das
Atomprogramm des Irans kritisiert. El Baradei beanstandete in seinem
Bericht die Anreicherung von Uran.
Der Chef der Internationalen
Atomenergiebehörde (IAEA), Mohammed El Baradei, hat in einem Bericht
Irans Festhalten an seinem umstrittenen Atomprogramm kritisiert.
Entgegen der Beschlüsse des UN-Sicherheitsrates habe Teheran sein
Programm zur Urananreicherung nicht eingestellt, schrieb ElBaradei
in einem am Montag in Wien veröffentlichten Bericht. Er erwarte vom
Iran „substantielle Erläuterungen“ zu einer möglichen militärischen
Nutzung des Atomprogramms. Der US-Botschafter bei der IAEA, Gregory
Schulte, kritisierte, dass Teheran die Urananreicherung ausdehne
statt die Fragen der IAEA zu beantworten. Auch ein EU-Diplomat
äußerte sich besorgt.
Der Iran habe zwei neue Kaskaden von
Zentrifugen zur Anreicherung von Uran installiert, bemängelte El
Baradei in seinem Bericht. Das Land reichert demnach in seiner
Atomanlage in Natans derzeit in rund 3500 Zentrifugen Uran an.
Außerdem habe die Islamische Republik Zentrifugen einer neuen
Generation zu Testzwecken aufgebaut. Dem Bericht zufolge setzte der
Iran zudem den Bau eines Atomreaktors fort. El Baradeis Bericht soll
am 2. Juni vom IAEA-Gouverneursrat erörtert werden.
Der IAEA-Chef fügte hinzu, auf eine
Aufforderung vom 9. Mai, offene Fragen der IAEA zur möglichen
militärischen Nutzung von Atomkraft zu beantworten, habe die
iranische Regierung erst am Freitag reagiert. Diese Stellungnahme
sei zu spät gekommen, um noch in den Bericht einzufließen. Die
Regierung in Teheran müsse nun die erforderlichen Maßnahmen
ergreifen, „damit man Vertrauen in den friedlichen Charakter seines
Atomprogramms haben kann“.
„Der Iran stößt weiterhin die
Bemühungen der IAEA zurück, besorgniserregende Hinweise zu
untersuchen“, sagte der US-Botschafter bei der IAEA, Schulte. Diese
bezögen sich auf mögliche Studien, Herstellung und Beschaffung von
Atomwaffen. „Der Bericht zeigt detailreich, wie sehr der Iran
erklären muss und wie wenig er dies bisher getan hat.“ Ein
EU-Diplomat, der nicht namentlich genannt werden wollte, bezeichnete
den IAEA-Bericht als „enttäuschend, wenn auch vielleicht nicht
überraschend“. Er teile die „ernsthafte Besorgnis“ über das
iranische Atomprogramm.
Die Anreicherung von Uran ist für
den Betrieb von Atomkraftwerken notwendig, kann aber auch
waffenfähiges Atommaterial liefern. Teheran informierte die IAEA dem
Bericht zufolge, dass es bis Ende des Sommers 6000 Zentrifugen in
Betrieb haben will. Die USA und andere Staaten werfen dem Iran vor,
heimlich an Atomwaffen zu bauen. Der iranische Präsident Mahmud
Ahmadinedschad betonte hingegen wiederholt, sein Land sei nur an der
zivilen Nutzung von Atomkraft interessiert.