Chronologische Geschichte
Die Kurden können auf eine rd. 5.000jährige
Geschichte zurückblicken, die durch archäologische Funde und
historische Quellen dokumentiert ist. Dies zeigt auch die
Entwicklung des Begriffs "Kurde".
Mythische Geschichte:
Noah mit der Arche landet auf dem Berg Djebel Djudi
in Kurdistan. Tamanin, das erste Dorf nach der Sintflut in Bothan,
wird gegründet. Könige der Bergvölker übernehmen im Zweistromland
die Herrschaft.
2637-2582 v.Chr.
Sargon I. von Akkad (Begründer der ersten
Semit-Dynastie in Mesopotamien; manche behaupten, daß diese Dynastie
zwischen 2350-2292 geherrscht hat, erobert Gutium, Kirkuk, Arbil und
Diarbakir. Sein Reich reicht von Syrien und Kleinasien, bis zum
Zagros-Gebirge.
2530 v.Chr.(od.zw.2200-2164?)
Naramsin, König der Akkad (Stadt in Nord Babylonien),
besiegt die Lulubu am "Heidenpaß"
2500-2300 v.Chr.
Die Guti beherrschen Babylonien und setzen eigene
Könige ein.
Um 2000 v.Chr.
Die Kardaka in Keilschrifttexten erwähnt.
Einwanderung der indogermanischen Hethiter und Beginn
der sprachlichen Indogermanisierung des Zagros.
1800-1500 v.Chr.
Erstes hethitisches Großreich, das weite Gebiete
Kleinasiens umfaßt.
1746-1171 (oder 1530-1155?) v.Chr.
Kassitenherrschaft in BabyIon (Kardunasch). Die
Kassiten waren ein Volk im Südwesten des Zagros-Gebirges. Nach dem
Sturz der Dynastie zogen die Kassiten sich wohl wieder in das
Zagros-Gebirge zurück. Sie wurden von Alexander d.Gr.324/323 v.Chr.
vorübergehend unterworfen.
Um 1700 v.Chr.
Hammurabi besiegt nördliche Bergvölker.
1600 v.Chr.
Babylon wird von den Hethitern erobert.
1450-1200 v.Chr.
Zweites hethitisches Großreich, das wiederum bis
Syrien reicht.
Um 1400 v.Chr.
Einwanderung iranischer Stämme in den heutigen Iran.
1286 v.Chr.
besiegten die Hethiter unter Huwatalis II. bei Kadesh
(Südostanatolien=Kadis) das Heer des ägyptischen Pharaos Ramses II.
In diesem Zeitraum breitet sich auch die mykenische Kultur (die
Bronzezeit Griechenlands) an der kleinasiatischen Küste aus.
Um 1240 v.Chr.
wird das Hethiterreich durch den Einfall der Völker
aus Südosteuropa in Kleinasien vernichtet.
1200 v.Chr.
Gründung des Urartäerreiches (Urartäer waren die
Bewohner des alten Urartu=Berg Ararat) in Ostanatolien (Hauptstadt
Tuschpa/Van). Dieses Reich wird 585 v.Chr. von den Skythen zerstört.
Um 1000 v.Chr.
Heder und Perser(iranische Stämme) sickern in den
Nordzagros ein; Zarathustra wird in Nordostkurdistan geboren.
900-700 v.Chr.
Die Guti-Kurden nehmen das Hedische an; Armenier
dringen von Westen her in das Ararat-Gebiet ein.
880 v.Chr.
Die Chald-Kult von Ardinis breitet sich in Urartu
aus.
Im 835 v.Chr.
Erste Erwähnung der Meder in einer Inschrift.
Im 722 v.Chr.
Medisches Reich im Nordwestiran.
Im 714 v.Chr.
Sargon 11. zerstört Mussassir-Ardinis.
Um 700 v.Chr.
Gründung einer persischen Monarchie durch Achaimenes.
Um 625 v.Chr.
Gründung eines medischen Großreichs durch Kyaxares.
612 v.Chr.
Niniveh, die Hauptstadt von Assyrien, wird von den
Medern erobert.
600 v.Chr.
Auftreten Zarathustras in Iran
Um 550 v.Chr.
Sturz des medischen Reiches durch Cyrus d.Gr., des
Herrschers der Achämeniden.
Um 538 v.Chr.
Cyrus d.Gr. erobert Babylon und gründet das persische
Weltreich der Achämeniden.
522-519 v.Chr.
Aufstände von Darius I. niedergeschlagen.
401 v.Chr.
Xenophon überquert mit den "Zehntausend" das
Kardukhen-Gebirge.
333 v.Chr.
Das kurdisches Gebiet wurde durch Alexander erobert,
der achämenidischen König besiegte.
330 v.Chr.
Endgültiger Sturz des Achämenidenreichs durch
Alexander d. Gr.
250 v.Chr.
Gründung des Parthischen Königreiches im Iran
(Arsakiden Dynastie), welche bis 224 n.Chr. dauerte.
Um 150 v.Chr.
Vormacht der Parther in Vorderasien unter Mithradates
I.
80 v.Chr.
König Tigranes von Armenien besetzt "Gorduene".
Beginn der römischen Kolonisierung.
63 v.Chr.
König Mithradates v. Pontus, von den Römern besiegt,
nimmt sich das Leben.
Um 170 n.Chr.
Die Armenier besetzen Nord-Kurdistan.
226 n.Chr.
Gründung des Sassanidischen Imperiums im Iran.
240 n.Chr.
Öffentliches Auftreten des Mani (Religionsstifter)
300-617 n.Chr.
Krieg zwischen Ostrom und den Parthern.
309-379 n.Chr.
Schapour II. Herrscher im Sassanidenreich.
529-578 n.Chr.
Khosraw Anoschirwan Herrscher im Sassanidenreich
621 n.Chr.
Gründung der neuen Religion des Islam.
639-645 n.Chr.
Einmarsch des arabischen Heeres in die kurdischen
Gebiete, und blutige Auseinandersetzung zwischen den Kurden und den
neuen islamischen Invasoren.
Um 650 n.Chr.
Sturz und Tod des letzten Sassaniden-Königs,
Yazdigerd III.
700-900 n.Chr.
Gewaltsame Islamisierung der Kurden. Zum Islam
übergetreten, leisten die Kurden einen eigenständigen und wichtigen
Beitrag zur islamischen Zivilisation, vor allem auf militärischem
und künstlerischem Gebiet.
Um 700 n.Chr.
Erstes Schriftstück in kurdischer Sprache. Ein kurzer
Text in Versform schildert die Greuel, die während der Zeit der
arabischen Invasion begangen wurden: Zerstörung der Feuertempel,
Verfolgung der Mazdeismus- bzw. Zoroastrier, der Religionen, zu
deren sich die Kurden seit der Zeit der Meder bekannten.
Auswanderung der Zoroastrier nach Indien.
765 n.Chr.
Ein kurdischer Musiker aus Mossul, Ibrahim Mousseli
(Mawsili), 743-806, führt die Musik, die bis dahin im Islam verboten
war, am Hof Harun-al-Raschids ein und gründet das erste
Konservatorium für islamische Musik, das sein Sohn Ishaq
weiterentwickelt und in einem Lehrbuch festhält. Einer ihrer
Schüler, Ziriyab, auch ein Kurde, läßt sich am Hof von Cordoba
nieder, gründet dort eine Schule und verbreitet die Lehre seiner
Meister in Spanien und im Maghreb (Marokko).
900-1200 n.Chr.
Unabhängige kurdische Fürstentümer werden gegründet.
Um 930 n.Chr.
Der zoroastrische Soldatenführer Mardawidj wird Herr
über den westlichen Iran.
950 n.Chr.
Schadadiden-Dynastie im Norden Kurdistans.
(Hauptstadt Gandjeh von 951-1174).
959 n.Chr.
Hassanwaih aus dem Stamm Barzikani (Barzan) begründet
die kurdische Dynastie der Hassanwaihiden (959-1015).
990 n.Chr.
Kurdische Dynastie der Marwaniden (990-1096).
1000 n.Chr.
Endgültiger Rückgang des Zoroastrismus im Iran.
1037 n.Chr.
Gründung der Seldschuken-Dynastie im Iran, welche für
das Schicksal der Kurden eine große Rolle gespielt hat.
1075 n.Chr.
Scheikh Adi Ibn Mosafir, Begründer der Religiossekte
der Yezidi, wird in Kurdistan (Kermanschah) geboren.
1126n.Chr.
Eroberung der armenischen Hauptstadt Ani, durch die
kurdische Schadadiden-Dynastie.
1117-1157 n.Chr.
Unter dem Seldschuken-König Sultan Sandjar wird der
Name Kurdistan erstmals offiziell genannt.
1137/38 n.Chr.
Sultan Salahodin, der große Kurde, wird als Sohn des
Nadjmodin Ayub in Takrit, im Arbil-Gebiet in Kurdistan, geboren.
1167 n.Chr.
Aufstieg des Sultan Salahodin, Sohn des Ayub, und
Gründung der kurdischen Dynastie der Ayubiten. Diese Dynastie
herrscht von 1169-1250 über den gesamten islamischen Mittleren
Osten.
1187 n.Chr.
Eroberung Jerusalems durch Salahodin und Beginn des
dritten Kreuzzugs.
1193 n.Chr.
Tod von Sultan Salahodins in Damaskus und Aufteilung
des Ayubiten-Reichs durch seine Nachfolger.
1242-1245 n.Chr.
Einbruch der Mongolen in Anatolien, Vernichtung der
seldschukischen Armee durch die Mongolen, Eroberung großer Teile
Kurdistans und Beseitigung des Khalifen von Baghdad durch Hülakku
Khan Mongol.
1299 n.Chr.
Zerfall des Seldschukiden-Reichs in 18 unabhängige
Kleinstaaten.
1302 n.Chr.
Sieg Osmans über die Byzantiner in der Schlacht von
Bapheos.
1300-1450 n.Chr.
Wiederherstellung der kurdischen Fürstentümer nach
dem Ansturm der Mongolen. Das kurdische Kulturleben blüht an den
Höfen von Bitlis, Hakkari und Bohtan auf.
1453 n.Chr.
Eroberung von Konstantinopel durch den osmanischen
Herrscher Sultan Mohammad II.
1470 n.Chr.
Turkmenendynastie Aq-Quinlou (von „weißer Hammel“)
und Ausrottungspolitik gegen die kurdischen Dynastien.
1500-1820 n.Chr.
Kurdistan als Schauplatz der Kämpfe zwischen Osmanen
und Persern.
1501 n.Chr.
Gründung der Safaviden-Dynastie im Iran durch Schah
Ismail und Versuch, die Kurden im iranischen Teil Kurdistans zu
unterwerfen.
1514 n.Chr.
Schlacht von Tschaldyran (Tschaldoran- Ort im
Norden-Kurdistans) zwischen dem osmanischen Sultan Selim I. und dem
Safaviden-Schah lsmail. Der großte Teil Kurdistans wird dem
osmanischen Reich einverleibt. Sultan Selim verpflichtet sich, die
"kurdischen Staaten" anzuerkennen und sich nicht in ihre inneren
Angelegenheiten einzumischen. Zum ersten Mal wird Kurdistan
praktisch geteilt.
1596 n.Chr.
Amir Scharaf Khan Bitlisi, Fürst von Bitlis, beendet
sein Buch Scharafnameh (Die Zeugnisse der kurdischen Nation), den
ersten vollständigen Überblick über die kurdische Geschichte.
1639 n.Chr.
Nach dem Vertrag von Zuhab zwischen Osmanen (Sultan
Morad IV) und Persern (Schah Safi), welcher in der Kleinstadt
Qasr-Schirin unterzeichnet wurde, wird die Grenze offiziell mitten
durch Kurdistan gezogen.
1695 n.Chr.
Der 1695 geborene Ahmadi Khani, Dichter, Philosoph
und Linguist, ruft mit Hilfe seines Hauptwerks (Buches) Mamo-Zin,
eines nationalen Heldengedichts, zum Aufbau eines vereinigten
Nationalstaats Kurdistan auf.
1732 n.Chr.
Die Perser erhalten die westlichen Provinzen zurück
und 1736 werden die alten Grenzen von 1639 wiederhergestellt.
1748 n.Chr.
Karim Khan Zand (geb. 1698 oder 1704 gest. 1778),
ursprünglich ein Kurde aus Harssin, Iranisch-Kurdistan, gründet die
Zand-Dynastie im Iran.
1794 n.Chr.
Die Zand-Dynastie wird von Agha Mohammad-Khan Qadjar
(Qadjaren-Dynastie) gestürzt. 19. Jahrhundert: Einmischung der Hohen
Pforte, des Osmanischen Reichs, in die kurdischen Angelegenheiten.
In ihren Vorrechten bedroht, erheben sich die kurdischen Fürsten,
allerdings in unkoordinierten Aufständen.
1806 n.Chr.
Revolte des Abdulrahman Pascha von Suleimania.
1818 n.Chr.
Beginn des russischen Einflußes und Aufstand des
kurdischen Stammes Bilbas.
1826 n.Chr.
Beginn der Entmachtung der kurdischen Fürsten von
Dereh Bey (Beg) durch den osmanischen Sultan Mohammad II.
1828 n.Chr.
Ende des Russisch-Persischen Krieges (Vertrag von
Turkmantschai, Gebietverluste an Rußland). Auswanderungswelle von
armenischen und assyrischen Christen sowie von Kurden nach Rußland,
Ansiedlung der Assyrer und der Kurden bei Erivan.
1830 n.Chr.
Revolte des Mir Mohammad (bekannt als Miri Kora) von
Rawanduz.
1843-47 n.Chr.
Revolten des Badir Khan Beg von Djazireh und des
Nurallah Beg von Hakkari und in diesem Zusammenhang erster
armenisch- bzw. assyrisch-kurdischer Konflikt.
1853-55 n.Chr.
Revolte von Yazdan Schähr.
1877/78 n.Chr.
Russisch-osmanischer Krieg ermöglicht die Aufstände
in den Provinzen Hakkari und Bohtan sowie des kurdischen Stammes
Hammawand.
1880 n.Chr.
Revolte des Scheikh Ubeidullah Schamdinan von Nehri
und Belagerung von Urmiyeh im iranischen Kurdistan (in manchen
Quellen wird dieser Aufstand als der erste kurdisch-nationalistische
Aufstand bezeichnet).
1890/91 n.Chr.
Versuch des Schakir Pascha zur Gründung der
irregulären "kurdischen Hamidia-Truppen".
1894-1895 n.Chr.
Blutige Zusammenstöße zwischen Armeniern und Teil der
Kurden in Sassun sowie kurdischer Aufstand von Hakkari gegen Sultan
Hamids Politik.
1897/98 n.Chr.
Gründung des ersten kurdischen Nationalkomitees und
Zeitung "Kurdistan". Diese Zeitung (Zeitschrift) versucht, die Idee
der kurdischen nationalen Befreiung zu verbreiten.
1900 n.Chr.
Mulla Hustafa Barzani geboren.
1905:
Aufstand des Schekkak-Stammes in Iranisch-Kurdistan
gegen die Zentralregierung und gleichzeitige Bildung mehrerer
Selbstverwaltungsräte in den kurdischen Gebieten, wie in Saqqiz,
Mahabad und Kermanschah, durch Qazi Fatah, einen kurdischen
Gelehrten aus der Qazi-Familie.
1908:
Die Jungtürkische Revolution: In Konstantinopel
Proklamation einer Verfassung, die für alle Nationalitäten des
osmanischen Reichs Gleichheit verkündet. Aber ab 1909 praktizieren
die Jungtürken eine repressive Politik in bezug auf die
nichttürkischen Völker (Albaner, Armenier, Kurden u.a).
1909:
Empörung der Milli-Kurden (liberale Kurden) unter
Ibrahim Pascha und Gründung mehrerer kurdischer Komitees und
Zeitungen, welche kurz danach verboten wurden.
1913:
Vereinbarung eines Grenzberichtigungsprotokolls in
Istanbul, das von Iran, der Türkei, Rußland und England
unterzeichnet wurde.
1913-1914:
Aufstand von Betlis und Aufstand in Süd-Kurdistan
unter Führung von Scheikh Abdul-Salam Barzani; zwei wichtige
Ereignisse vor Beginn des 1. Weltkrieges.
1915:
Beginn der türkischen Armeniermassaker, die
Badirkhaniden versuchen die Befreiung von Bitlis.
1916:
Alliierte Geheimverträge über die Aufteilung des
Osmanischen Reichs und Kurdistans (Sykes-Picot-Abkommen). Beginn der
Deportation von 700.000 bis 1.000.000 Kurden nach Westanatolien.
1918:
Februar 1918, 14-Punkt-Programm zur Selbstbestimmung
der Völker, proklamiert durch den amerikanischen Präsidenten Woodrow
Wilson.
3.3.1918:
Ermordung des assyrischen Führers Har Schimon
Benjamin XXI. durch lsmail Agha Simtko, den kurdischen
Rebellenführer im iranischen Kurdistan.
1918:
Am 30.0kt.1918 wurde das osmanische Reich, das auf
der Seite Deutschlands im I. Weltkrieg gekämpft hatte, besiegt und
musste vor den Alliierten kapitulieren.
1919:
Anti-kemalistische Aktion der Kurdenführer in
Malatia.
1919-1920:
Erster kurdischer Aufstand gegen die britischen
Besatzer im südlichen Kurdistan. Von Scheikh Mahmoud Barzandjeh
angeführt, zielt diese Bewegung auf die Schaffung eines "freien und
einheitlichen Kurdistan.
19.-26.April 1920:
Konferenz von San Remo. Die zahlreichen Verträge, die
während des Krieges von den Alliierten über die Verteilung des Nahen
Ostens geschlossen wurden, werden entsprechend den neuen
Machtverhältnissen revidiert. Großbritannien läßt sich das Mandat
über den arabischen Irak und das kurdische Vilayet von Mossul
zuteilen, Frankreich wird dafür zu 25% an der Ölproduktion im Gebiet
von Mossul beteiligt. Es bleibt die Möglichkeit offen, in den
Gebieten, die wieder russisch werden mußten, einen armenischen und
einen kurdischen Staat zu gründen.
10.August 1920:
Der Friedensvertrag von Sevres rechnet die Kurden zu
den "befreiungswürdigen Völkern". Der Vertrag von Sevres,
abgeschlossen zwischen den Alliierten und der Hohen Pforte,
bestätigt die endgültige Aufteilung, die schon in San Remo
beschlossen worden war. Im Teil III (Art. 62-64) empfiehlt er die
Schaffung eines kurdischen Staates auf einem Teil des kurdischen
Gebietes.
1920:
Revolte von Ismail Agha Simtko im iranischen
Kurdistan, welche bis 1930 dauerte.
23.Aug.1921:
Sir Percy Cox, britischer Hochkommissar in
Mesopotamien, setzt den Emir Faisal (Sohn des Sherifs von Mekka) ,
den die Franzosen aus Syrien verjagt hatten, als irakischen König
ein. Die Kurden von Mossul boykottieren massiv das Plebiszit, das
für die "Wahl" von Faisal organisiert worden war.
20.0kt.1921:
Französisch-türkischer Vertrag von Ankara. Frankreich
annektiert zu Syrien - das unter seinem Mandat steht - die
kurdischen Provinzen Djazireh und Kurd-Dagh.
1923:
Zweiter Aufstand von Scheikh Mahmoud. Er ernennt sich
zum "König von Kurdistan" und nimmt Verbindung mit dem Anführer der
Kurden im Iran, Simtko, auf, der seit 1920 gegen die persische
Herrschaft kämpft. Diese Bewegung wird von der britischen Armee
niedergeschlagen und der Scheikh wurde nach Indien verbannt.
24. März 1923:
Vertrag von Lausanne zwischen der Regierung Kemal
Atatürk (Ankara) und den Alliierten, der den Vertrag von Sevres
wieder aufhebt und die Annektierung des größten Teils von Kurdistan
durch den neuen türkischen Staat absegnet.
3. März 1924:
Eine Verordnung verbietet alle kurdischen Schulen,
Vereinigungen und Veröffentlichungen und gleichzeitig die religiösen
Bruderschaften und medressas. Das erste türkische Parlament, unter
dessen Mitgliedern auch 72 Repräsentanten Kurdistans waren, wird
aufgelöst.
Februar-April 1925:
Aufstand des Scheikh Said Piran im türkischen
Kurdistan.
16.Dez.1925:
Der Rat des Völkerbundes stimmt - auf die britische
Forderung hin - der Annektion des südlichen Kurdistan (Mossul) durch
den irakischen Staat zu.
1926:
Grenzziehung zwischen der Türkei und dem Irak.
August 1927:
Gründungskongreß von Khoyboun (Unabhängigkeit),
nationale kurdische Liga. Diese Organisation, umfaßt alle kurdischen
Gruppierungen, Parteien und Organisationen, die nach dem 1.
Weltkrieg gegründet wurden.
1928:
Die gesamte zivile und militärische Verwaltung des
türkischen Kurdistan wird unter die Kontrolle des
"Generalinspekteurs des Ostens" gestellt, des türkischen
Hochkommissars für Kurdistan. Fast überall in den kurdischen
Provinzen brechen Aufstände aus.
1930:
Eine große Widerstandsbewegung organisiert sich unter
der Führung von Khoyboun in der Gegend um den Berg Ararat. Die
Türkei und der Iran schließen einen Pakt, um sie niederzuschlagen
(Januar 1932).
Juni 1930:
Simtko, der Anführer der Kurden im Iran, der seit
1920 gegen die Zentralregierung gekämpft hat, wird bei Verhandlungen
mit den Repräsentanten Teherans ermordet.
Herbst 1931:
Neuer Aufstand im iranischen Kurdistan unter der
Führung Bruder des ermordeten Simtko.
1931:
Von den Engländern aus Indien zurückgeholt., ruft
Scheikh Mahmoud wieder zum Aufstand im irakischen Kurdistan auf. Er
wird niedergeschlagen, von ihnen gefangengenommen und in Baghdad
unter Hausarrest gestellt. Daraufhin erheben sich die irakischen
Kurden, diesmal unter der Führung von Scheikh Ahmad Barzani und
Mulla Mustaf, Barzanis Bruder. Die britische Luftwaffe greift
kurdische Dörfer an.
Mai 1932:
Ankara verkündet ein Gesetz zur Deportation und
Versprengung der Kurden. Hehrere hunderttausend Kurden werden nach
Zentral- oder Westanatolien deportiert.
1933:
Neuer kurdischer Aufstand im Irak unter Führung der
Barzanis (Scheikh Ahmad und sein Bruder Mulla Mustafa).
1936-1938:
Aufstand von Sayyed Reza Dersimi in
Türkisch-Kurdistan.
1937:
Sa'adabad-Vereinbarung in Teheran zwischen
Afghanistan, Iran, Irak und der Türkei, in der u. a. die Bekämpfung
der Befreiungsbewegungen vereinbart wurde.
1939:
Gründung der kurdischen Organisation Hiwa in
Irakisch-Kurdistan.
1941:
Besetzung Irans durch die alliierten Truppen,
Absetzung des iranischen Diktators Reza Schah und Freilassung aller
politischen Gefangenen, unter anderen der kurdischen politischen
Gefangenen.
16.9.1942:
Gründung der Organisation Kummaleh-i J.K.(Jiyanawey
Kurd) in der nicht okkupierten Region in Iranisch-Kurdistan.
1943-1945:
Ständige Bombardierung Irakisch-Kurdistans durch die
britische Luftwaffe und massiver Widerstand der Barzanis.
16.8.1945:
Gründung der Demokratischen Partei Kurdistan Iran in
Mahabad und breite Bewegung unter den Kurden für Selbstverwaltung in
den kurdischen Regionen.
17.12.1945:
Die kurdische Fahne wird auf dem Justitzgebäude in
Hahabad gehisst.
22. Jan. 1946:
Proklamation der autonomen Regierung in Kurdistan.
Die Mahabad-Republik bestand unter ihrem Präsident und Vorsitzenden
der DPK Qazi Mohammad für ein Jahr.
17.12.1946:
Einmarsch der Militäreinheiten der Zentralregierung
in Mahabad ohne Zwischenfall.
21.12.1946:
Festnahme der Qazis (Qazi Mohammad und Seif-e Qazi)
in Mahabad.
31.3. 1947:
Hinrichtung von Qazi Mohammad, Sadr-e Qaz und Seif-e
Qazi auf dem "Tschuwar Tschera-Platz" in Mahabad.
Mai-Juni 1947:
Barzanis Kampf und Flucht gegen die Militäreinheiten
der iranischen Zentralregierung, wobei es ihm und 600 Mitkämpfern
gelang sich in die UdSSR durchzuschlagen.
19. Aug. 1953:
Sturz der liberal-demokratischen Regierung von Dr.
Mossadeq im Iran durch den vom CIA organisierten Putsch und
Wiederherstellung des Polizeistaats des Schah-Regimes, was eine
massive Verfolgung aller oppositioneller Gruppen u. a. der Kurden im
Iran zur Folge hatte.
Nach: Dr. Golmorad Moradi, Heidelberg: Chronologie
der kurdischen Geschichte, Mytische Geschichte - 1953. Aus: "Ein
Jahr autonome Regierung in Kurdistan - Die Mahabad-Republik
1946-1947", Bremen 1992