Iran verweigert Atom-Infos
n-tv - Berlin,Germany
Uran-Anreicherung geht weiter
Die Internationale
Atomenergiebehörde IAEA kritisiert mangelnde Informationen des Irans
über sein früheres Atomprogramm. Teheran müsse der UN-Behörde noch
einige "substanzielle Erläuterungen" zu möglichen Atomwaffenstudien
geben, heißt es in einem Bericht, den IAEA-Chef Mohammed el Baradei
dem UN-Sicherheitsrat in New York übermittelt hat. Die noch
ungeklärte Umwandlung von Uran, die Tests von hochexplosivem
Sprengstoff sowie Entwicklungsstudien eines besonderen
Raketensprengkopfs seien Anlass für große Besorgnis, heißt es in dem
Report.
Dem Bericht zufolge, der der
Deutschen Presse-Agentur dpa vorlag, besteht der Iran darauf, dass
die gegen ihn gerichteten Vorwürfe haltlos und "erfunden" sind. In
dem Report stellt El Baradei fest, dass der Iran auch in den
vergangenen drei Monaten die Forderungen des UN-Sicherheitsrats
ignoriert hat und die umstrittene Urananreicherung fortsetzt.
Gegenwärtig hat Teheran in seiner Atomanlage bei Natans 3500
Gaszentrifugen installiert. Bis zum Ende des Sommers sollen es 6000
werden, sagten führende UN-Diplomaten am Montagabend in Wien.
In dem mehrseitigen Bericht heißt
es: "Es sind substanzielle Erläuterungen des Irans nötig, um dessen
bisherige Erklärungen im Zusammenhang mit den angeblichen Studien zu
seinem Atomprogramm und anderen Entwicklungen mit militärischem
Charakter zu begründen." So müsse Teheran vor allem ein Dokument
erläutern, in dem die Produktion von Uranmetall-Kugeln beschrieben
wird, die ausschließlich für den Bau von Atomwaffen verwendet werden
können.
Teheran hatte in den vergangenen
Jahren stets behauptet, sein Atomprogramm verfolge rein friedliche
Absichten. Anfang des Jahres hatten IAEA-Experten jedoch (vor allem
aus den USA) geheimes Material erhalten, das den Verdacht auf eine
militärische Dimension erhärtete.
Diplomaten in Wien betonten, Teheran
sei in der Lage, die fragwürdigen Teile seines Atomprogramms zu
erläutern. Allerdings "haben wir noch keine substanzielle Antworten
erhalten", hieß es in Wien. Es sei jetzt Aufgabe des
IAEA-Gouverneursrats, der am 2. Juni in Wien tagt, die nächsten
Schritte einzuleiten. Teheran hat in den vergangenen Monaten
erklärt, das von der IAEA präsentierte Material entbehre jeder
realen Grundlage.
Ungeachtet einer dritten
Sanktionen-Resolution des UN- Sicherheitsrats und eines erneuten
Angebots Deutschlands sowie der fünf permanenten Mitglieder des
UN-Sicherheitsrats für eine intensive wirtschaftliche und
wissenschaftliche Zusammenarbeit, hat es Teheran bisher abgelehnt,
die Urananreicherung einzustellen, die auch zum Bau von Atomwaffen
eingesetzt werden kann.