DROHENDE FOLTER
Mohammad Sadiq Kabudvand,
Menschenrechtsverteidiger, Journalist
Mohammad Sadiq Kabudvand
hat am 19. Mai 2008 im Teheraner Evin-Gefängnis einen Herzanfall
erlitten. Er war etwa 30 Minuten lang bewusstlos. Ein Mitgefangener,
der Arzt ist, leistete ihm Erste Hilfe. Die übrigen Mitgefangenen
riefen um Hilfe und baten die Wärter, ihn in das
Gefängniskrankenhaus zu bringen, er wurde jedoch nicht aus der Zelle
geholt.
Am folgenden Tag wurde
zum dritten Mal ein Verhandlungsstag abgesagt, da der Vertreter des
Büros des Staatsanwalts nicht erschienen war. Mohammad Sadiq
Kabudvand brachte man in die Zelle zurück. Ende 2007 war eine
Kaution in Höhe von etwa 163.000 US-Dollar festgesetzt worden;
diesen Betrag konnte seine Familie jedoch nicht aufbringen. Seine
Anwälte haben wiederholt um eine Verringerung der Kautionssumme
gebeten, bisher ohne Erfolg.
Der Richter ordnete an,
dass Mohammad Sadiq Kabudvand in einem Krankenhaus außerhalb des
Evin-Gefängnisses angemessene medizinische Versorgung erhalten
solle, die Gefängnisbehörden sind dieser Anordnung aber bis heute
nicht nachgekommen und sie haben auch seiner Familie keine
Informationen zu seinem Gesundheitszustand gegeben.
Mohammad Sadiq Kabudvand
war am 1. Juli 2007 festgenommen worden, an diesem Tag endete das
gegen seine Publikation „Payam-e Mardom-e Kurdestan“ (Stimme des
kurdischen Volkes) verhängte Verbot. Er wurde wegen Artikeln, die in
„Payam-e Mardom-e Kurdestan“ veröffentlicht wurden, zu einer
einjährigen Haftstrafe verurteilt, doch steht seine gegenwärtige
Inhaftierung damit offenbar nicht in Zusammenhang. Mohammad Sadiq
Kabudvand teilte seiner Familie am 17. Juli 2007 mit, dass man ihm
„Handlungen gegen die nationale Sicherheit”, „Propaganda gegen das
System” und „Zusammenarbeit mit systemfeindlichen Gruppierungen“ zur
Last lege. Er berichtete weiter, dass man ihm vor jedem Verhör die
Augen verbunden sowie Hände und Füße gefesselt hätte, und er
beklagte sich über die schlechten Haftbedingungen.
Amnesty International
betrachtet ihn als gewaltlosen politischen Gefangenen, der allein
wegen der friedlichen Wahrnehmung seiner Rechte auf freie
Meinungsäußerung und Vereinigungsfreiheit als Vorsitzender der
„Kurdischen Menschenrechtsorganisation“ (RMMK) inhaftiert wurde.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Die kurdische Bevölkerung
des Iran lebt überwiegend im Westen und Nordwesten des Landes, in
der Provinz Kurdistan und den übrigen an den Irak und die Türkei
angrenzenden Gebieten des Landes.
Mohammad Sadiq Kabudvand
gründete die RMMK im April 2005, die Organisation hat etwa 100
Mitglieder. Die Behörden haben sie nie offiziell als
Nichtregierungsorganisation anerkannt, obwohl sie dies seit langem
beantragen. Zu den Zielen der RMMK zählen der Schutz der in der
Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und in internationalen
Abkommen festgeschriebenen Grundrechte; die Unterrichtung,
Verbreitung und Förderung der Einhaltung der Menschenrechte in
Kurdistan; und die Förderung freundschaftlicher Beziehungen zwischen
den einzelnen Volksgruppen im Iran basierend auf dem Grundsatz
rechtlicher Gleichbehandlung.
Im Iran wird politischen
Gefangenen und gewaltlosen politischen Gefangenen routinemäßig die
angemessene medizinische Versorgung verwehrt, wahrscheinlich als
zusätzliche Strafe für die vermeintlichen Verbrechen. Im Jahr 2006
starben die beiden Gefangenen Akbar Mohammadi und Valiollah Feyz
Mahdavi, nachdem ihnen offenbar die medizinische Versorgung
verweigert worden war.