DROHENDE FOLTER
Herr Jamshid Arazpour, ethnischer Turkmene aus Gomesh Deppeh
Herr Haji Aman Khadivar, ethnischer
Turkmene aus Chapaqli, Golestan
82 weitere Personen
Jamshid Arazpour und Haji Aman Khadivar, die zu einer Gruppe Iraner
turkmenischer Abstammung gehören, die man Anfang Januar 2008
festgenommen hatte, wurden angeklagt, gegen die öffentliche Ordnung
verstoßen zu haben. Das Verfahren hat bereits stattgefunden, es ist
jedoch nicht bekannt, welche Urteile in den Prozessen ergangen sind.
Inzwischen liegen Berichte vor, dass einige der Inhaftierten,
darunter auch Kinder, von den Sicherheitskräften gefoltert wurden.
Zwischen 200 und 300 Iraner turkmenischer Abstammung, die in der am
Meer gelegenen Provinz Golestan in der Nähe der Stadt
Bandar-e-Torkman leben, wurden am 28. Dezember 2007 nach der Tötung
eines turkmenischen Fischers durch Sicherheitskräfte der Marine
festgenommen. Der Fischer gehörte zu einer Gruppe, die ohne
Genehmigung im Kaspischen Meer gefischt hatte. Aufgrund seines Todes
kam es überall in den von Turkmenen bewohnten Gebieten in der Gegend
von Bandar-e-Torkman zu schweren Unruhen. Dabei sollen
Regierungsgebäude und anderes öffentliches und privates Eigentum
beschädigt worden sein.
Die
meisten Festgenommenen wurden im Januar ohne Anklage freigelassen.
48 Personen wurden wegen Störung der öffentlichen Ordnung angeklagt
und kamen auf Kaution in Höhe von jeweils rund 3.350 US-Dollar frei.
Die meisten Festgenommenen sind offenbar Fischer, Arbeiter und
Studierende.
Die
Gerichtsverfahren der 84 Personen, zu denen auch Jamshid Arazpour
und Haji Aman Khadivar gehören, sollten am 6. Mai 2008 beginnen. In
Berichten von Menschenrechtlern wird erwähnt, dass einige der
Angeklagten keinen Zugang zu Rechtsanwälten hatten. Der Ausgang der
Verfahren ist bisher nicht bekannt.
Mindestens sechs der im Januar festgenommenen Schüler unter 15
Jahren, wurden sieben bis zwölf Tage von Sicherheitskräften
festgehalten. Sie geben an, dass sie wiederholt geschlagen, getreten
und mit Gegenständen vergewaltigt wurden. Amnesty International hat
bereits Berichte über die Praxis der Vergewaltigung von Männern mit
Gegenständen wie z.B. Glasflaschen durch Sicherheitsbeamte erhalten.
Die Schüler berichteten, dass ihre Füße mit Kabel oder Draht
gefesselt und sie mit Elektroschocks gequält wurden. Ein Schüler gab
an, dass er durch die Folter mehrere Tage lang nichts hörte. Andere
Inhaftierte mussten sich bei Minustemperaturen mehrere Stunden lang
im Freien aufhalten, manchen Gefangenen wurde die Nahrung
verweigert. Die Schüler geben an, dass einige der Inhaftierten, um
der Folter zu entgehen, alles akzeptieren, was über ihre
vermeintlichen Aktivitäten gesagt wurde, selbst wenn sie nichts mit
den Unruhen zu tun hatten.
HINTERGRUNDINFORMATIONEN
Im Iran leben etwas 2,2, Millionen Turkmenisch sprechende Turkmenen
(ca. 3% der Bevölkerung). Sie sind sunnitische Muslime und leben im
Nordwesten des Landes. Die turkmenische Sprache ist im Bildungs- und
Sozialbereich verboten, doch es gibt eine kleine Zahl von Zeitungen,
die auf Turkmenisch publiziert werden. Turkmenen können durch die
diskriminierende selektive Politik nicht einmal auf lokaler Ebene in
hohe Positionen gelangen.
Laut
einer Erklärung der Organisation zur Schutz der Menschenrechte in
Turkmen-Sahra wurde am oder um den 8. Februar 2008 herum ein
turkmenischer Fischer durch Schüsse verletzt. Am oder um den 5.
April 2008 herum sollen Marinesicherheitskräfte aus unbekannten
Gründen Fischereiausrüstung und anderen Besitz der turkmenischen
Fischer in verschiedenen Städten und Dörfern in der Nähe des
Kaspischen Meeres beschlagnahmt haben.
Der
Abgeordnete von Bandar-e Torkman, der selbst Turkmene ist, soll
dreimal im Parlament Beschwerde gegen die Ermordung des Fischers
und die darauf folgende Massenverhaftung in seinem Wahlbezirk
eingelegt haben. In einer seiner Erklärungen soll er gesagt haben:
„Man kann armen Dorfbewohnern nicht sagen, dass sie weiter Hunger
leiden sollen.“