20. Juni 2008
Von Hildegard Stausberg
Venezuela
Bietet Chavez islamistischen Terroristen
Schutz?
Der Präsident Venezuelas
ist einer der wenigen Politiker, die im Atom-Streit auf Seiten des
Irans stehen. Gleichzeitig ist der Iran der wichtigste Förderer der
Hisbollah. Jetzt verdichten sich die Hinweise, dass Präsident Hugo
Chavez Mitgliedern Terrorgruppen aus dem Nahen Osten in seinem Land
Unterschlupf gewährt.
Seit langem schon gibt es
Vermutungen, dass der mit dem Iran eng verbündetet venezolanische
Präsident Hugo Chavez Mitgliedern Terrorgruppen aus dem Nahen Osten
in seinem Land Unterschlupf gewährt. Auch werden seine Kontakte zu
Irans Präsident Mahmud Ahmadinedschad seit Jahren immer intensiver:
Als eine der ganz wenigen Länder auf der Welt verteidigt Chávez
uneingeschränkt das Nuklearprogramm der Iraner.
Nun gibt es immer mehr
Hinweise darauf, dass er über ein engmaschiges Netzwerk
arabischstämmiger Venezolaner die Hisbollah direkt unterstützt. Die
nordamerikanische „Behörde zur Kontrolle ausländischen Vermögens" (Ofac)
hat am Mittwoch die Anweisung gegeben, die Vermögen von zwei
arabischstämmigen Venezolanern einzufrieren. Der Geschäftsmann Fawzi
Mustafa Kann’an und der Diplomat Ghazi Nasr al-Din sollen zum einen
Gelder für die Hisbollah in Venezuela gesammelt haben und weltweite
Aktivitäten dieser Terrorgruppe unterstützen. „Wir werden weiter
gegen die internationale Ausbreitung dieser Terrororganisation in
Lateinamerika kämpfen", sagte Adam Szubin, der Direktor der OFAC, in
Washington und ergänzte: „Es ist äußerst beunruhigend, dass
Venezuela für Menschen, die die Hisbollah unterstützen, zum sicheren
Hafen wird.
Der 1962 im Libanon geborene Diplomat al-Din ist im Nahen Osten kein
Unbekannter: Längere Zeit war er Geschäftsträger der venezolanischen
Botschaft in Damaskus und ist nun zum Direktor der politischen
Abteilung der Botschaft Venezuelas im Libanon ernannt worden. Der
1943 ebenfalls im Libanon geborene Kann’an betreibt seit Jahren in
der Hauptstadt Caracas zwei Reiseagenturen, Biblos Travel Agency und
Hilal Travel Agency. Diese wurden in der Pressemitteilung der Ofac
ausdrücklich erwähnt. Gegenüber dem britischen TV-Sender BBC sagte
Kann’an jetzt, er sei Opfer einer Verleumdungskampagne: „Das ist
eine große Lüge, ich bin niemals in Iran gewesen". Er lebe seit 1986
in Venezuela und habe seine Heimat wegen des Bürgerkrieges
verlassen. Er verfüge außerdem über ein gültiges Visum für die
Vereinigten Staaten. Dort besitze er zudem keine Vermögenswerte, die
eingefroren werden könnten.
Die in Venezuela bekannte
Journalistin Patricia Poleo hatte erst vor kurzem in einem Artikel
in der Zeitung „El Nuevo País" behauptet, in Venezuela würden junge
Männer geworben, die dann in Lagern im Libanon zu Kämpfern der
Hisbollah ausgebildet würden. An der Spitze der
Organisationsstruktur stünde der stellvertretende venezolanische
Innenminister Tarek al-Ayssami. Sein „engster Verbindungsmann im
Nahen Osten" sei eben jener Ghazi Nasr al-Din, der jetzt auf die
Ofac-Liste gesetzt wurde. Zusammen mit seinem Bruder habe er junge
Venezolaner arabischer Herkunft rekrutieren sollen.
Seine Aufgabe war es offenbar, sie zur Ausbildung durch die
Hisbollah in libanesische Lager zu schicken. So sollten die jungen
Männer für „einen Kampf gegen die Vereinigten Staaten" vorbereitet
werden. Nach ihrer Ausbildung würden sie in Venezuela von
Mitgliedern des „Islamischen Zentrums in Venezuela" (Centro Islámico
de Venezuela) betreut. Diesem sei es in der Vergangenheit auch immer
wieder gelungen, Hisbollah-Anhänger aus dem Libanon „völlig mühelos"
über das Ferienparadies Isla Margarita ins Land einzuschleusen.
Gleiches gelte für Hisbollah-Sympathisanten aus Brasilien. All diese
Gruppen unterhielten nicht nur enge Beziehungen zu jungen
arabischstämmigen Einheimischen, sondern brächten diese auch in
Verbindung mit Salid Andal Rahman, dem Leiter des offiziell in
Caracas akkreditierten Büros der PLO.
Poleo gibt in ihrem Text genau die Namen der Ortschaften an, bei
denen sich Ausbildungslager befinden sollen. Dort würden die aus dem
Libanon zurückgekehrten Männer dann weiter trainiert. Frau Poleo
behauptete unter anderem, dass sich im Moment eine Gruppe der
irakischen al-Qaida „auf einer geheimen Rundreise durch Venezuela"
befände. Mit dabei sei auch Abdul Ghani Suleiman Wanked, die rechte
Hand von Hassan Nasrallah, dem Generalsekretär der Hisbollah. Im
Übrigen hielten sich jetzt auch eine Reihe in Kolumbien geborener
Hisbollah Kämpfer in Caracas auf – so etwa Abouchanab Daichoum Dani,
der die Gruppe aus dem Libanon betreue.