Westen legt Iran neues Angebot vor
EU-Chefdiplomat Solana hat Iran ein neues Angebot im Atomstreit
unterbreitet - die Reaktionen Teherans sind bisher widersprüchlich.
Während sich der iranische Außenminister Mottaki zurückhaltend gab,
wurde ein andere Offizieller euphorischer zitiert: "Das ist ein
neuer diplomatischer Weg".
Hamburg/Teheran - Das neue Angebot im Atomstreit liegt auf dem
Tisch: EU-Chefdiplomat Javier Solana unterbreitete Iran die Offerte
des Westens - er übergab am Samstag in Teheran ein entsprechendes
Papier. Der Iran will den neuen Vorschlag prüfen.

DPA
EU-Chefdiplomat Solana: Bringt sein Vorschlag die Wende im
Atomstreit mit Iran?
Außenminister Manuchehr Mottaki gab sich sehr zurückhaltend. Er
erklärte im staatlichen Fernsehen erneut, der Iran werde auf seinem
"legitimen (nuklearen) Recht" bestehen. Dagegen sagte ein iranischer
Offizieller - allerdings anonym - das Angebot stelle "einen neuen
diplomatischen Weg" im Atomstreit dar.
Bisher besteht der Iran darauf, selbst Uran anzureichern. Der Westen
verdächtigt das Land, mit Hilfe des Urananreicherungsprogramms
Atombomben bauen zu wollen. Die iranische Führung bestreitet das.
Details des neuen Angebots der Vetomächte im Weltsicherheitsrat und
Deutschlands waren zunächst nicht bekannt. Solana hatte am Freitag
von einem "großzügigen und umfassenden Angebot" gesprochen. Die fünf
Vetomächte im Sicherheitsrat und Deutschland wollen den Iran dazu
bringen, auf seine Urananreicherung zu verzichten. Dazu haben sie
wiederholt Angebote gemacht, wie sie den Iran im Gegenzug
wirtschaftlich unterstützen wollen.
US-Präsident George W. Bush hat das iranische Beharren auf sein
Recht auf Urananreicherung als "enttäuschend" bezeichnet. Die
iranische Führung manövriere ihr Volk weiter in die Isolation. "Ich
bin enttäuscht dass die (iranischen) Führer das großzügige Angebot
sofort ablehnten", sagte Bush in Paris.
Das Thema der nuklearen Aufrüstung des Irans sei einer der zentralen
Punkte seiner bisherigen Gespräche in Berlin, Rom und Paris sowie
beim EU/USA-Gipfel in Slowenien gewesen, sagte Bush. Eine iranische
Atomwaffe würde eine "unglaubliche Destabilisierung" der Region
bedeuten und eine Gefahr für den Weltfrieden mit sich bringen, so
der US-Präsident. "Unsere Erwartungen sind gerecht und fair."
Mehrfach hatte Bush darauf hingewiesen, dass im Nuklearkonflikt mit
dem Iran "alle Optionen auf dem Tisch liegen", falls sich Iran
weiter den Forderungen der internationalen Gemeinschaft verweigere.
Bush warnte auch den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad davor,
gemeinsam mit dem Iran den Nahen Osten weiter zu destabilisieren.
Seine Botschaft an Damaskus sei: "Hört auf, mit den Iranern zusammen
Unsinn zu machen und hört auf, Terroristen zu beherbergen". Syrien
solle eine konstruktive Rolle im Friedensprozess einnehmen und
helfen, den Terrorismus und die extremistischen Gruppen zu stoppen
und damit eine Lösung des israelisch-palästinensischen Konflikts zu
ermöglichen. Bush meinte, ein Friedensabkommen zwischen Israelis und
Palästinensern sei noch in diesem Jahr möglich.