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KOMALA

- was sie ist und was sie will –

 

I. Die politische Ausrichtung der Komala

Die Komala, auch Komalah oder Komaleh geschrieben, ist eine kurdische linke Volkspartei, die sich für Demokratie, Selbstbestimmung und Föderalismus im Iran und in Iranisch-Kurdistan einsetzt.

Komala bedeutet wörtlich Gesellschaft, Gemeinschaft oder Soziales und ist das Kürzel für den längeren Namen der Partei, Revolutionäre Organisation der Werktätigen Kurdistan - Iran. Im letzten  - im vergangenen Jahr stattgefundenen - Parteitag der Komala haben die Delegierten jedoch beschlossen, den langen, aber im Kurdischen geläufigen Namen zwar beizubehalten, ihn aber in anderen Sprachen in Kurzformel Komala-Partei Iranisch-Kurdistan umzubenennen.

Die Komala verstand sich früher als die politische Kraft der kurdisch-iranischen sozialen Bewegung und war marxistisch orientiert, versteht sich heute aber eher als eine Avantgarde der kurdischen nationaldemokratischen Befreiungsbewegung im Iran und definiert sich als sozialistisch bzw. sozialdemokratisch. Die Entscheidung über die Frage des Sozialismus, des Demokratischen Sozialismus oder der Sozialdemokratie ist jedoch in der Partei noch nicht endgültig gefallen und führte sogar in den letzten Monaten zu einer innerparteilichen Auseinandersetzung.

Die Komala ist heute neben der Demokratischen Partei Kurdistan – Iran und der Demokratischen Partei Kurdistan sowie einigen anderen kleinen Organisationen eine der großen Volksparteien der politischen kurdischen Bewegung im Iran und strebt eine demokratische, säkulare, rechts-, sozial- und bundesstaatliche Gesellschaftsordnung an.

 

II. Die Komala und die Islamische Republik Iran

Von dem Sturz der Shah-Diktatur im Jahre 1979 erhofften sich die Kurden neue Chancen für die Abschaffung von vielen Diskriminierungen und für ein Ende der national-ethnischen Unterdrückung. Deshalb traten die politischen Parteien – u. a. auch die Komala - nach der Machtergreifung der islamischen Geistlichen im Iran in Verhandlungen mit dem Regime. Nachdem aber das Regime seine Macht verfestigt hatte, brach es mit den Verhandlungen ab, verbot die kurdischen Parteien, erklärte Dschihad (heiligen Krieg) gegen die Kurden und schickte ihre Armee und Revolutionswächter zur Unterdrückung der kurdischen Bewegung nach Kurdistan. Es wurden zahlreiche Dörfer massakriert, einige Städte bombardiert, Tausende getötet – entweder im Kampf oder durch Hinrichtungen in den islamischen Kerkern oder durch im Ausland verübte Mordanschläge der Terrorkommandos des islamistischen Regimes. Die militärischen Kämpfe zwischen den kurdischen Parteien - wie der Komala – auf einer Seite und den Truppen des islamischen Regimes auf der anderen Seite dauerten über ein Jahrzehnt. Allein von der Komala-Partei sind bereits über 1500 Mitglieder in diesem Befreiungskampf gefallen.

Dieser militärische Verteidigungskampf wurde seitens der kurdischen Parteien – unter anderem der Komala – aus Rücksicht auf die neue Situation der Kurden in Irakisch-Kurdistan eingestellt. Man wollte den islamischen Machthabern im Iran keinen zusätzlichen Vorwand bieten, sich in Irakisch-Kurdistan einzumischen, dort einzumarschieren und die dortigen Kurden einem Wirtschaftsembargo auszusetzen. Man ist damit auch der entsprechenden Bitte der kurdisch-irakischen Parteien nachgekommen. So unterhält die Komala zwar in Irakisch-Kurdistan immer noch Militärcamps, bildet Peschmarga (Guerillakämpfer/Partisanen) aus, agiert jedoch seit vielen Jahren aus den genannten Gründen nicht militärisch gegen das Mullah-Regime. Ihre militärische Präsenz dient zurzeit der Stärkung der Moral und des Widerstandsgeists der Bevölkerung Kurdistan im politischen zivilen Kampf gegen das Terrorregime im Iran und Verteidigung der eigenen Mitglieder, die ständigen Terroranschläge des iranischen Regimes ausgesetzt sind.

Die Komala erreicht die Bevölkerung durch ihre Untergrundorganisationen und –Zellen in Iranisch-Kurdistan, den Sattelitenfernsehsender Rojhelat-TV, das Radio Komala, die Wochenzeitschrift Asoy Rojhelat (Horizont des Ostens) und einige Internetseiten im Ausland.

 

III. Geschichtlicher Rückblick

Die Komala wurde 1969 von einigen marxistisch orientierten kurdischen Intellektuellen gegründet und kämpfte in der Schah-Zeit bis zur Revolution im Jahre 1979 vor allem für die Errichtung eines sozialistischen Systems im Ganz-Iran. 1982/83 schloss sie sich mit anderen linken Gruppen zusammen und gründete die Kommunistische Partei Iran. Der Name der Komala wurde jedoch für den Kurdistan-Verband der neuen gesamtiranischen Partei weiterverwendet. Im Jahre 1991 spaltete sich die Partei, in deren Folge die Arbeiterkommunistische Partei Iran von den aus der Kommunistischen Partei Iran ausgetretenen Mitgliedern gegründet wurde. Wir waren im Jahre 2000 Zeuge einer weiteren Spaltung: eine aus der Partei ausgetretene Mehrheit entschied sich, sich von einer gesamtiranischen ideologisch-marxistisch ausgerichteten Strömung zu verabschieden und zu den ursprünglichen rein kurdisch organisierten und tendenziell sozialdemokratischen ausgerichteten Strukturen einer Volkspartei zurückzukehren und unter dem alten Namen, der Komala, und der Führung des Generalsekretärs Abdullah Mohtadi zu agieren. Diese Komala ist also nicht zu verwechseln mit dem Kurdistan-Verband der Kommunistischen Partei Iran, der ebenfalls Komalah heißt und ihre Stützpunkte in Irakisch-Kurdistan hat. Schließlich sind im April 2007 infolge einer weiteren innerparteilichen Krise einige hohe Mitglieder und Kader aus der Partei ausgetreten, von denen wenig später die sogenannte „Reformströmung der Komala“ gegründet wurde. Diese Strömung behauptet, mit dem Führungsstil des Zentralkomitees nicht einverstanden zu sein.

 

Behrouz Lotfi

Verantwortlicher Redakteur und Webmaster