Solana soll nach Iran reisen
Im
Atomstreit mit Iran sondieren die fünf Veto-Mächte des
UN-Sicherheitsrats und Deutschland nähere Verhandlungsmöglichkeiten
mit Teheran. Nach Informationen der „Frankfurter Allgemeinen
Zeitung“ verständigte sich die Sechsergruppe darauf, dass der
EU-Außenbeauftrage Solana noch in diesem Monat zu einem Gespräch mit
dem iranischen Atomunterhändler Dschalili aufbrechen soll. Zugleich
hat Deutschland Iran damit gedroht, dass das iranische Atomprogramm
im Sicherheitsrat der Vereinten Nationen abermals zum Thema gemacht
würde, sollten die laufenden Verhandlungsbemühungen scheitern.
Der
frühere amerikanische Außenminister Kissinger forderte schärfere
Sanktionen. Der deutsche Außenminister Steinmeier (SPD) sagte, er
sehe zumindest keine völlig starre Haltung Teherans im Atomstreit.
Am Freitag war bei Solana eine schriftliche Antwort Irans auf ein
Verhandlungsangebot eingetroffen, das er Teheran Mitte Juni im Namen
der fünf Veto-Mächte des UN-Sicherheitsrats und Deutschlands gemacht
hatte.
Steinmeier zuversichtlich
Der
Antwortbrief wird als wenig präzise bewertet, über den genauen
Inhalt wurde offiziell nichts bekannt. Ergiebiger erschien dagegen
offenbar ein Anruf Dschalilis, der Solana am Freitag zusätzlich zu
dem Brief erreichte. Dort wurde dem Vernehmen nach
Verhandlungsbereitschaft dergestalt signalisiert, dass die
Sechsergruppe sich umgehend für einen Gesprächsversuch entschlossen
und Solana damit beauftragt hat.
Steinmeier und Kissinger sprachen sich gegenüber der „Frankfurter
Allgemeinen Sonntagszeitung“ für eine diplomatische Lösung des
Konflikts aus. Steinmeier wertete es als positiv, dass schon die
Übergabe des Verhandlungsangebots durch Solana in Teheran eine
offene Behandlung“ erfahren habe. Solana habe die Möglichkeit
gehabt, mit mehreren Medienvertretern zu sprechen, und es sei in
Presse und Fernsehen breit über das Angebot berichtet worden, sagte
Steinmeier. Er schloss daraus:. „Wir stellen fest, dass es keine
fest gefügte Haltung in der Führung gibt.“
Kissinger skeptisch
Deshalb bleibe man bemüht, Iran von der „Möglichkeit des
Wiedereintritts in die Gespräche“ zu überzeugen. Steinmeier fügte
aber die Warnung an: „Wenn es zu keinen Fortschritten und keinen
konstruktiven Antworten aus Teheran kommt, müssen wir über eine neue
Runde im Sicherheitsrat nachdenken, ausdrücklich mit Russland und
ausdrücklich mit China.“
Kissinger bewertete die Wirksamkeit der bisherigen Maßnahmen
skeptisch: „Ich habe immer die Möglichkeit bezweifelt, dass wir
einen Erfolg erzielen auf der Basis kleiner Sanktionen und kleiner
Anreize.“ Er forderte eine gemeinsame Position der internationalen
Gemeinschaft unter Einbeziehung Amerikas und Russlands: „Niemand
sollte abstrakt über den Einsatz militärischer Gewalt nachdenken.
Aber man könnte über wirklich schwerwiegende Sanktionen reden.“
Wichtigste Forderung abgelehnt
Ein
iranischer Regierungssprecher sagte am Samstag nach einem Bericht
der amtlichen Nachrichtenagentur Irna, Iran sei zwar bereit, im
Rahmen der internationalen Regeln zu verhandeln. Die Einstellung zum
Atomprogramm habe sich jedoch nicht geändert. Das ließ darauf
schließen, dass die wichtigste Forderung des Westens, die
Einstellung der Urananreicherung, weiterhin abgelehnt wird.