
Teheran stellt Gespräche über US-Büro
in Iran in Aussicht
Flugverbindungen zwischen Iran und den USA, eine
Interessenvertretung der USA in Teheran? Irans Außenminister gibt
sich kurz vor den ersten Atomgesprächen mit US-Spitzendiplomaten
betont offen - die beiden Länder unterhalten seit 1980 keine
diplomatischen Beziehungen.
Ankara/Teheran - So
viel Entgegenkommen von iranischer Seite gibt es selten: Unmittelbar
vor den ersten Atomgesprächen mit einem US-Spitzendiplomaten hat
Irans Außenminister Manuschehr Mottaki Verhandlungen über eine
Interessenvertretung der USA in Teheran in Aussicht gestellt. Auch
Gespräche über die Einrichtung einer Flugverbindung zwischen beiden
Ländern seien möglich, sagte Mottaki am Freitag in Ankara nach einem
Treffen mit seinem türkischen Kollegen Ali Babacan. Die am Samstag
in Genf geplanten Gespräche über das iranische Atomprogramm
bewertete er positiv.
"Meiner Meinung nach
sind Gespräche und ein Abkommen über ein amerikanisches Büro in Iran
und direkte Flüge zwischen Iran und den Vereinigten Staaten
möglich", sagte Mottaki in Ankara vor Journalisten. In den
vergangenen Jahren hätten zahlreiche Menschen, darunter Studenten,
Akademiker, Geschäftsleute und Künstler aus den USA, Iran besuchen
wollen. "Wir unterstützen eine solche Entwicklung zwischen den
beiden Völkern", fügte der Außenminister hinzu. Es gebe auch einige
US-Firmen, die bereits in Iran tätig seien, sich aber nicht
öffentlich dazu bekennen würden, weil das Thema so heikel sei.
Für die Sicherheit
der US-Diplomaten will Iran nach Angaben des Vize-Innenministers
Abbas Mohtaj garantieren. Der "Financial Times Deutschland" sagte
er: "Jeder, der uns besucht, ist unser Gast", eine Bedrohung für
US-Diplomaten bestehe "auf keinen Fall".
Die USA und Iran
haben seit 1980 keine diplomatischen Beziehungen. Bislang schloss
die Regierung von US-Präsident George W. Bush direkte diplomatische
Kontakte aus. Der britische "Guardian" hatte am Donnerstag jedoch
ohne Nennung näherer Quellen berichtet, dass in Iran eine
US-Interessenvertretung ähnlich wie auf Kuba geplant sei. Das
Angebot von iranischer Seite, über diese zu verhandeln, kam einen
Tag vor den mit Spannung erwarteten Gesprächen über das Atomprogramm
der islamischen Republik.
Die am Samstag in
Genf geplanten Gespräche zwischen dem EU-Außenbeauftragten Javier
Solana, US-Außenstaatssekretär William J. Burns und dem iranischen
Unterhändler Said Dschalili bewertete Mottaki positiv. Die Teilnahme
der USA sei "ein neuer Ansatz". Er hoffe, dieser Fortschritt in der
Gestaltung der Verhandlungen werde sich auch bei den Inhalten
widerspiegeln. "Wenn die Verhandlungen so weitergehen, wird es
hoffentlich ein positives Ergebnis geben."
Dschalili sagte vor
seinem Abflug in die Schweiz mit Blick auf die USA: "Uns ist wichtig
zu wissen, mit welchem Ansatz sie an den Diskussionen teilnehmen.
Wenn es ein konstruktiver Ansatz ist und sie auf die Fehler der
Vergangenheit verzichten, werden wir sicher konstruktive Gespräche
führen."
Die Bundesregierung
begrüßte die Teilnahme Burns' und bezeichnete dies als ein "sehr
starkes Signal". Die USA zeigten damit, wie ernst sie das Treffen
nähmen, sagte ein Außenamtssprecher in Berlin. Die Bundesregierung
hoffe, dass Teheran bei den Gesprächen konstruktiv auf das
Angebotspaket der Sechsergruppe aus Deutschland und den
Uno-Vetomächten reagiere. Solana hatte es Mitte Juni überreicht.
Darin wird der iranischen Regierung bei einem Stopp der
Urananreicherung wirtschaftliche und politische Unterstützung
zugesagt. Von dem Treffen in Genf erhoffen sich die Teilnehmer mehr
Klarheit über die Antwort Teherans auf das Angebot, die Solana
bislang als "schwierig und kompliziert" bezeichnet.
Die Sechsergruppe
versucht Iran seit Jahren zur Aufgabe seines Atomprogramms zu
bewegen. Die islamische Republik beharrt dagegen auf ihrem Recht auf
friedlich genutzte Atomenergie. Der Uno-Sicherheitsrat
verabschiedete bereits drei Resolutionen mit Sanktionen gegen Iran.
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